TOGO: Ziel erreicht – Keine weibliche Genitalverstümmelung mehr!
Damit auch in Zukunft kein Mädchen in Togo beschnitten wird, ist es äußerst wichtig, dass unsere lokalen Partnerorganisationen für die Bevölkerung weiterhin ansprechbar sind. Sollten sie Hinweise erhalten auf eine drohende oder durchgeführte Genitalverstümmelung, greifen sie sofort ein. Wir unterstützen sie dabei.
Nachhaltigkeitsprojekte 2012 bis 2025
(I)NTACT war auch nach der Überwindung der weiblichen Genitalverstümmelung (WGV) mit Nachhaltigkeitsprojekten vor Ort. Kofinanziert durch das BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) fanden Aufklärungsveranstaltungen statt zu Kinder- und Frauenrechtsthemen: die Wichtigkeit von Bildung für Mädchen, das Verbot von Frühverheiratung und das Recht von Frauen auf selbständige Arbeit und Landbesitz. Zuletzt lief ein Projekt, mit dem wir uns gemeinsam mit der Gemeinschaft der Peulh dafür engagierten, Frauen und Mädchen vor Gewalt zu schützen und ihnen mehr Mitspracherecht zu ermöglichen.
Durch diese Aktivitäten vor Ort konnten die Projektpartner in den Dörfern präsent sein und neben den wichtigen Projektaktivitäten die Abkehr von der WGV weiterhin kontrollieren. In jedem Dorf wurden Komitees gegründet, welche drohende Genitalverstümmelungen melden und ihr Umfeld bei Bedarf aufklären.
Unser Mädchenhaus für Peulh-Mädchen
Ein weiteres Projekt in Togo ist das Mädchenzentrum in Anié. Dort leben 14 vor Zwangsverheiratung geflohene Mädchen. (I)NTACT hat 12 von ihnen eine Ausbildung zur Schneiderin oder Weberin ermöglicht, die sie erfolgreich abgeschlossen haben. Sie sind mittlerweile zu selbstbewussten jungen Frauen herangewachsen und planen nun sich mit einem eigenen Atelier selbstständig zu machen. Auch dabei unterstützen wir sie. Zwei der Mädchen besuchen weiterhin die Schule, eine macht dieses Jahr ihr Abitur und will Medizin studieren. Alle Mädchen sind sehr froh, der Zwangsverheiratung entkommen zu sein, ein eigenständiges Leben führen zu können und wollen ein Vorbild für andere Mädchen in ihren Communities sein. Für sie ist klar: sie suchen sich ihren Ehemann selbst aus und ihre Töchter werden ohne Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung aufwachsen!
Ein großes Fest
Am 29.11.2012 wurde die Überwindung der Genitalverstümmelung in Togo in Sokodé mit einem großen Festakt gefeiert. Die Bevölkerung, ehemalige Beschneiderinnen und Traditionshüter verliehen ihrer Freude über das Ende der grausamen Tradition mit Tänzen und Gesängen Ausdruck. Sie erklärten vor aller Öffentlichkeit, ihre Mädchen nunmehr intakt aufwachsen zu lassen.
Auch Regierungsvertreter aus Togo und Deutschland, unsere lokalen Partner sowie Mitglieder von (I)NTACT waren vor Ort dabei.
Erreicht wurde die Abschaffung der Genitalverstümmelung durch die Aufklärungsarbeit unserer Partnerorganisationen in Togo zwischen 2004 und 2011. Entscheidend für den Erfolg war vor allem die Zusammenarbeit mit den Traditionshütern und den Beschneiderinnen.
Die Überwindung der Norm der weiblichen Genitalverstümmelung bestätigen auch international anerkannte Studien wie die MICS6 2017.
