INTACT e.V. - Internationale Aktion gegen die Beschneidung von Mädchen und Frauen Genitalverstümmelung überwinden

jetzt online spenden

X

Erfolgreiche (I)NTACT-Strategien

Unabdingbar ist zunächst ein kompetentes Projektteam. Die ProjektarbeiterInnen stammen gewöhnlich aus der Projektregion und sprechen die lokalen Sprachen. Die meisten von ihnen sind selbst beschnitten oder anderweitig von der Tradition betroffen. Vor ihrem Einsatz werden sie theoretisch und praktisch von unserem Regionalkoordinator geschult und auch während der Projektdauer fortlaufend von ihm betreut.

Im Laufe der Jahre wurden unsere Aufklärungsstrategien in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen vor Ort ständig weiter entwickelt. Eine Reihe von Aktivitäten haben sich als sehr erfolgreich erwiesen und sind daher Bestandteil aller von (I)NTACT geförderten Aufklärungsprojekte. Die Strategien werden den Begebenheiten vor Ort jeweils angepasst.
 

Lokale Autoritäten einbeziehen

Hierzu zählen die örtlichen Chefs/ Könige, Fetischpriester, religiöse Führer sowie die Verantwortlichen der lokalen Verwaltung. Sie werden zu Projektbeginn vom Projektteam aufgesucht. Die wichtigsten lokalen und religiösen Chefs werden zu Seminaren eingeladen, wo FachreferentInnen ihnen die negativen Aspekte der weiblichen Genitalverstümmelung erläutern.
Häufig sprechen sich die Autoritäten danach dafür aus, selbst in ihren Dörfern gegen die grausame Tradition zu kämpfen.

Ohne die Einbindung dieser „Meinungsführer“ in die Aufklärungsarbeit ist die Überwindung der Genitalverstümmelung unmöglich. 
 

Bevölkerung direkt aufklären

Die Arbeit an der Basis ist ein Kernelement der Aufklärungsstrategie, idealerweise wird jede einzelne Großfamilie vom Projektteam besucht. Als Aufklärungshilfe werden Bilder genutzt, welche die Beschneidung und deren Folge sowie die intakten Organe darstellen. Es hat sich auch als sehr überzeugend erwiesen, wenn lokale Autoritäten und ehemalige Beschneiderinnen einen Teil der Aufklärung übernehmen. Auf jeden Fall sollte sicher gestellt sein, dass jede/r im Dorf die Möglichkeit hat, sich zu informieren. Ergänzt wird die individuelle Aufklärung durch Diskussionen auf Dorfversammlungen und Predigten in Moscheen. Oft werden unterschiedliche Medien zur Aufklärung eingesetzt (Videovorführungen, Theater, Radio).
 

Beschneiderinnen überzeugen und in die Aufklärungsarbeit einbeziehen

Auch für die Beschneiderinnen werden Seminare organisiert, mit dem Ziel diese zu informieren und gemeinsam zur Aufgabe der Tradition zu führen. Die Einbindung von ehemaligen Beschneiderinnen in die Aufklärungsarbeit mit der Bevölkerung ist sehr wichtig und unterstreicht den Willen der Beschneiderinnen, nicht mehr zu beschneiden.  In einigen Projekten erhalten aufgabewillige Beschneiderinnen Kleinkredite, um sich andere Einkommensquellen zu erschließen - gleichzeitig ist durch die Überwachung der Rückzahlung der Kredite ein regelmäßiger Kontakt mit den Beschneiderinnen gewährleistet, was Rückfälle mindert.
 

Nachhaltigkeit sichern

Die Sicherung der Aufklärungsergebnisse erfolgt zum Teil über Dorfkomitees. Die Mitglieder werden während der Aufklärungsphase von der Bevölkerung gewählt und sind später die Mittler zwischen Bevölkerung und den Verantwortlichen der jeweiligen Organisation. Die wesentliche Aufgabe der Komitees ist die Überwachung der Familien mit Mädchen im beschneidungsfähigen Alter, um evtl. drohende Beschneidungen zu verhindern. Auch lokale Autoritäten dienen den Partnerorganisationen als vertrauensvolle Ansprechpartner, um zu überwachen, dass es keine neuen Beschneidungsfälle mehr gibt.  
 

Flächendeckende Aufklärung in einem Gebiet

Durch familiäre Bindungen zwischen Dörfern einer Region ist es für ein einzelnes Dorf zunächst ein recht hohes Risiko, auf Beschneidung zu verzichten. Denn nur wenn in einer Gegend möglichst alle Dorfgemeinschaften die Beschneidung abschaffen, können Familien davon ausgehen, dass eine zukünftige Schwiegerfamilie ihre Tochter unbeschnitten akzeptiert und sie nicht womöglich im Zuge der Heirat noch Opfer von Beschneidung wird. Außerdem besteht die Gefahr, dass Mädchen zur Beschneidung in Nachbardörfer gebracht werden, wo noch beschnitten wird. Dies ist vor allem in Grenzregionen problematisch. 
 

Hilfe für Frauen, die an Langzeitfolgen von FGM leiden

Mit dem Erfolg der Aufklärung wird vielen Frauen erst bewusst, dass bestimmte Leiden letztlich Folgen ihrer viele Jahre zurück liegenden Beschneidung sind. So hängt beispielsweise Inkontinenz häufig an vesiko-vaginalen Fisteln, welche durch die Verstümmelung entstehen. Solche Fisteln lassen sich operieren, so dass Frauen, die oft jahrelang wegen des übelriechenden Urins abgeschirmt gelebt haben, ihr gesellschaftliches Leben wieder aufnehmen können. Fistel-Operationen werden in einigen unserer Projekte angeboten. 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Ok